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Innovation und Diabetes: das Projekt Diab’hitude

Auswärts essen, ohne beim Berechnen der Kohlenhydrate in Stress zu geraten? Dieser Herausforderung stellt sich Diab’hitude. Die innovative mobile App wurde gemeinsam mit den Freiburger Hochschulen entwickelt. Sie überträgt frühere papierbasierte Schulungsmaterialien in ein digitales Format und passt sie an den Alltag junger Erwachsener an.

Die Kohlenhydrate einer Mahlzeit einzuschätzen, gehört zum Alltag von Menschen mit Typ-1-Diabetes. Wechselnde Tagesabläufe, Mahlzeiten ausser Haus und ein aktiveres Sozialleben können diese Einschätzung jedoch erschweren.

Ausgehend von dieser Realität entstand Diab’hitude: ein Prototyp einer mobilen App, die sich an junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren mit Typ-1-Diabetes richtet. Das Projekt wurde im Rahmen des Transdisziplinären Innovationsprojekts eHealth (PIT eHealth) in Zusammenarbeit mit diabetesfreiburg entwickelt.

Technologie im Dienste der Gesundheit

PIT eHealth bringt Studierende der Hochschule für Gesundheit Freiburg (HEdS-FR), der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg (HEIA-FR) und der Hochschule für Wirtschaft Freiburg (HEG-FR) zusammen.

Das Prinzip ist einfach: Kompetenzen aus Pflege, Informatik und Betriebswirtschaft werden gebündelt, um eine technologische Lösung zu entwickeln, die einem konkreten gesundheitlichen Bedürfnis entspricht.für ein konkretes gesundheitliches Bedürfnis zu entwickeln. Die Projekte zielen insbesondere darauf ab, die Selbstständigkeit im Umgang mit einer chronischen Erkrankung zu fördern und die Lebensqualität der betroffenen Personen zu verbessern.

Für Diab’hitude arbeiteten die Pflegefachstudentinnen Joana Jordao Marques, Leona Zenunaj und Claire Gapany mit den HEIA-FR-Studenten Lionel Ding, Elwan Mayencourt und Ermal Fejzaj zusammen.

Die Studentinnen der HEdS-FR brachten ihre klinische Perspektive ein und untersuchten die Bedürfnisse der betroffenen Personen. Gemeinsam mit ihnen entwickelten die Studenten der HEIA-FR den technischen Teil der App. Die HEG-FR leistete einen Beitrag zur Analyse bereits auf dem Markt vorhandener Lösungen sowie bei ersten wirtschaftlichen Überlegungen.

Die Zusammenarbeit fand während des gesamten Studienjahres statt und umfasste regelmässige Treffen zwischen den Teams und den Dozierenden der drei Hochschulen. Das Projekt folgte dem Design-Thinking-Ansatz: Bedürfnisse verstehen, das Problem definieren, eine Lösung entwickeln, einen Prototyp erstellen und diesen anschliessend testen.

Den jungen Menschen zuhören, bevor eine Lösung entwickelt wird

Zunächst setzten sich Studentinnen mit der wissenschaftlichen Literatur auseinander. Anschliessend führten sie acht halbstrukturierte Interviews mit jungen Menschen, die  mit Typ-1-Diabetesleben und die über diabetesfreiburg mit ihnen in Kontakt gebracht worden waren. 

Aus diesen Gesprächen gingen vier wichtige Bedürfnisse hervor:

  • die Schätzung der Kohlenhydratemenge erleichtern;
  • die mentale Belastung durch das tägliche Diabetesmanagement reduzieren;
  • unauffällige Technologien nutzen, die sich einfach in den Alltag integrieren lassen;
  • eine bedarfsgerechte emotionale Unterstützung erhalten.

Ursprünglich legten die Studentinnen einen besonderen Schwerpunkt auf den Übergang von der pädiatrischen Betreuung zur Erwachsenenmedizin. Die Interviews zeigten jedoch, dass die Einschätzung der Kohlenhydrate für die befragten jungen Menschen eine unmittelbarere und wichtigere Herausforderung darstellte. Daher entschied sich das Team, seinen Prototyp auf dieses konkrete Bedürfnis auszurichten.

Unterstützung bei regelmässig konsumierten Gerichten

Diab’hitude soll nicht alle möglichen Mahlzeiten erkennen oder berechnen. Die App konzentriert sich bewusst auf Gerichte, welche die Person regelmässig isst.

Bei jeder Erfassung gibt die Nutzerin oder der Nutzer insbesondere folgende Informationen ein:

  • den Blutzuckerwert vor der Mahlzeit;
  • die geschätzte und in die Pumpe eingegebene Kohlenhydratmenge;
  • den Blutzuckerwert etwa zwei Stunden nach der Mahlzeit;
  • bestimmte Begleitumstände wie Stress, körperliche Aktivität, Müdigkeit oder Krankheit.

Eine Benachrichtigung erinnert daran, die Angaben nach der Mahlzeit zu ergänzen. Mit jeder neuen Erfahrung passt die App die dem Gericht zugeordnete Kohlenhydratschätzung schrittweise an. Sobald mehrere übereinstimmende Ergebnisse erfasst wurden, gilt das Gericht als kalibriert.

Die Informationen werden anschliessend in einem persönlichen Register gespeichert. Wird das Gericht erneut gegessen, kann die Nutzerin oder der Nutzer die aus früheren Erfahrungen gewonnene Schätzung rasch abrufen. Eine Grafik zeigt zudem, wie sich die Kalibrierung im Laufe der Zeit entwickelt.

Von den Bedürfnissen der Betroffenen ausgehen

Zwischen 18 und 25 Jahren können das Studium, die ersten beruflichen Erfahrungen, das Ausgehen und wechselnde Tagesabläufe das Diabetesmanagement erschweren. Das Projekt konzentrierte sich deshalb auf diese Lebensphase und auf ein sehr konkretes Bedürfnis: die Kohlenhydrate bekannter Gerichte besser einzuschätzen, ohne die Berechnung jedes Mal von vorne beginnen zu müssen.

diabetesfreiburg stellte den Kontakt zu den jungen Menschen her, die an den Interviews und Tests teilnahmen. Diese Zusammenarbeit ermöglichte es den Studentinnen, ihre Forschung mit der Alltagsrealität der betroffenen Personen abzugleichen und von der fachlichen Expertise im Bereich Diabetes zu profitieren.

 

«Wir wollten etwas Konkretes schaffen, indem wir den betroffenen Menschen begegnen und von ihren Bedürfnissen ausgehen.»

— Joana Jordao Marques, Leona Zenunaj und Claire Gapany, Absolventinnen des Bachelor of Science HES-SO in Pflege

Ein Prototyp mit Zukunftspotenzial

Diab’hitude ist derzeit ein Prototyp, der im Rahmen eines Hochschulprojekts entwickelt und getestet wurde. Die App ersetzt weder die Empfehlungen des Behandlungsteams noch die medizinische Betreuung oder die von der betroffenen Person verwendeten therapeutischen Hilfsmittel.

Damit die App in grösserem Umfang eingesetzt werden könnte, müsste sie weiterentwickelt und über einen längeren Zeitraum mit einer grösseren Anzahl junger Erwachsener getestet werden. Wie das Projekt weitergeführt wird und welches Team die Weiterentwicklung übernehmen könnte, ist derzeit noch offen.

Diab’hitude zeigt jedoch das Potenzial einer interdisziplinären und alltagsnahen Innovation: Sie setzt bei einer konkreten Schwierigkeit im täglichen Leben an, entwickelt eine praktische Lösung und verbessert diese gemeinsam mit den betroffenen Personen.

Lernen Sie Diab’hitude am 50-Jahr-Jubiläum von diabetesfreiburgkennen

Die Studentinnen und Studenten präsentieren ihr Projekt am 14. November 2026 im Rahmen des 50-Jahr-Jubiläums von diabetesfreiburg auf dem Geländer der blueFACTORY in Freiburg. Eine gute Gelegenheit, Diab’hitude kennenzulernen, sich mit dem Team auszutauschen und mehr über diese gemeinsam mit und für betroffene Menschen entwickelte Innovation zu erfahren.